Über uns

Das bildungsLab* startete 2017 als kritischer Debattierraum im Zusammenhang mit dem Projekt "Schools of Tomorrow", welches vom Haus der Kulturen der Welt bis Juni 2018 durchgeführt wird. Wissenschaftler*innen of Color und/oder mit Migrationsgeschichte, die institutionell in den Bereichen Bildung und (Kunst-)Vermittlung verortet sind, intervenieren in den hegemonialen Diskurs zu Fragen von Heterogenität, Pluralität, Marginalisierung und Diskriminierung in den Bildungsinstitutionen.

Inspiriert von Gayatri Chakravorty Spivaks Idee von Bildung als einer möglichst "zwangsfreien Neuordnung von Begehren" und unter Einbezug der Erfahrungen von Migration, Diskriminierung, Rassismus, Klassismus, Be_hinderungen und (Hetero-)Sexismus sollen utopische Entwürfe von Schule und pädagogischer Praxis entstehen. Wie lassen sich Schulen in Orte verwandeln, die nicht nur für alle offen sind, sondern in denen Bildung auch begehrenswert erscheint? Welche Begehren gilt es anzustiften, welche Momente des Widerstands zu artikulieren?

a) Kontrapunktische Perspektiven

Wie können Erfahrungen von Migration, Diskriminierung, Rassismus, Klassismus und Sexismus dazu verhelfen, utopische Ideen von Schule zu skizzieren? Und wie können diese utopischen Ideen eine Irritation für das Konzept der "Reformschule" werden, die sich nicht selten nur an dominanzkulturelle Bildungsbürger*innen richtet? Ganz im Sinne Gayatri Chakravorty Spivaks Idee von Bildung als einem "uncoercive re-arrangemant of desire" (zwangsfreie Neuordnung von Begehren) soll den Möglichkeiten nachgegangen werden, wie Schule für diejenigen attraktiv gemacht werden kann, die bisher von Bildung aktiv fern gehalten wurden. Es geht also nicht nur um die Öffnung von (Hoch-)Schule, sondern um die Transformation derselben in einen Ort, in dem Bildung auch als etwas Begehrenswertes erscheint. Im Sinne einer engagierten Pädagogik nach bell hooks werden im bildungsLab* Strategien entwickelt, die einen Unterschied machen und die Lehrmaschine in Bewegung versetzen.

b) 'resistance & desire'

Leitende Konzepte werden "resistance" und "desire" sein. Das Begehren spielt in Spivaks Vorstellung von Bildung eine herausragende Rolle. Die postkoloniale Theoretikerin geht davon aus, dass Bildungsinstitutionen spezifisch begehrende Subjekte hervorbringen. Das Begehren artikuliert sich beispielweise in dem Wunsch oder der Ablehnung, Teil von Bildungsinstitutionen zu sein, oder in der Kodierung von Wissensproduktion als etwas Erstrebenswertem. Widerstand auf der anderen Seite wird innerhalb von Bildungsinstitutionen immer wieder ausgehebelt, indem ein Konsens hergestellt wird, der es erschwert Widerstandsmöglichkeiten überhaupt zu imaginieren. Begehren und Widerstand stehen in einer engen Beziehung zueinander, werden aber in Debatten um Bildung selten mitgedacht.

c) Dritter (Bildungs-)Raum

Es ist eines der Anliegen des bildungsLab* andere Formen der Wissensproduktion zu ermöglichen und die Perspektiven von "outsidern inside the teaching machine" öffentlich zu machen. Bei der Diskussion um Migration, Rassismus, Sexismus und Heterogenität im Schulwesen, insbesondere auch bei der Entwicklung von gesellschaftlichen Zukunftsentwürfen soll dabei die Sichtbarkeit von migrantischen Wissenschaftler*innen und Wissenschaftler*innen of Color erhöht werden. Wir beschreiben dies in dekonstruktivistischer Tradition als 'Dritten Raum', weil ein Raum ensteht, in dem Neues erwachen kann.